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GameHunterX bewertet Stunts

Verfasst am 31.03.2025 um 13:46 Uhr. Bearbeitet am 22.11.2025 um 14:38 Uhr.

Der frühe Vogel und die steile Lernkurve


Es gibt Spiele, die einen sofort packen, und dann gibt es solche, bei denen man sich fragt, ob der Programmierer einen persönlichen Feldzug gegen einen führt. Das Rennspiel, um das es hier geht, gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Aber lasst uns von vorn anfangen...

Als Spieleentwicklerin und bekennende RPG- und Strategiespiel-Liebhaberin bin ich ja eigentlich nicht die Zielgruppe für Rennspiele. Aber manchmal stolpert man über Klassiker, die man einfach mal ausprobieren muss, auch wenn sie nicht unbedingt in das eigene Beuteschema fallen. Und so bin ich über dieses Spiel aus dem Jahr 1990 gestolpert, das den Titel trägt, der eigentlich Programm ist: "Stunts".

Direkt vorweg: Ich hatte mir ehrlich gesagt mehr erhofft. Nicht, dass das Spiel schlecht wäre, aber es ist definitiv kein Highlight in meiner persönlichen Spiele-Hall-of-Fame. Aber fangen wir mal ganz von vorne an. Was macht dieses Spiel überhaupt aus? Nun, im Kern geht es darum, mit einem Rennwagen über eine selbstgebaute Strecke zu fahren. Soweit, so unspektakulär, könnte man meinen. Der Clou ist aber, dass man die Strecken selbst entwerfen kann. Und das ist eigentlich auch schon das Beste am Spiel.

Die Grafik ist, nun ja, für 1990 in Ordnung. Keine Augenweide, aber auch nicht unsäglich hässlich. Die Wagenmodelle sind recht klobig, die Strecken bestehen aus einfachen Polygonen und die Texturen sind... na ja, rudimentär. Man darf aber nicht vergessen, dass wir hier von einem Spiel aus einer Zeit sprechen, in der Pixel noch Pixel waren und nicht etwa hochauflösende Kunstwerke. Der Charme der alten Schule ist aber definitiv vorhanden. Die Geschwindigkeit der Wagen ist gut, gibt einem aber kein wirkliches Geschwindigkeitsgefühl.

Das Herzstück des Spiels ist der Streckeneditor. Hier kann man Brücken bauen, Loopings einfügen, Sprungschanzen entwerfen und alles, was das Rennfahrerherz begehrt. Die Bedienung ist anfangs etwas hakelig, aber mit etwas Übung lassen sich recht komplexe Strecken erstellen. Das ist eigentlich der einzige Bereich, in dem das Spiel wirklich glänzt. Man kann stundenlang damit verbringen, an einer perfekten Strecke zu tüfteln, sie immer wieder zu optimieren und zu testen. Das ist definitiv der Suchtfaktor des Spiels.

Das Gameplay selbst ist dann aber eher... naja. Die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig und erfordert einiges an Fingerspitzengefühl. Gerade am Anfang kommt man ständig von der Strecke ab, landet im Graben oder dreht sich wie ein Kreisel. Das ist frustrierend, keine Frage. Aber mit der Zeit lernt man, die Eigenheiten der Steuerung zu meistern und die Strecken besser zu meistern. Manchmal.

Die KI der Gegner ist nicht gerade brillant. Sie fahren meistens einfach nur stur ihre Linie und lassen sich nicht von den eigenen Aktionen beeindrucken. Sieht man mal von den Crashs der KI Autos ab, ist das eigentlich schon alles. Das macht die Rennen etwas eintönig, zumal die Möglichkeiten innerhalb der Rennen sehr begrenzt sind. Überholen ist mühsam, Taktik gibt es kaum und das Gefühl von echtem Wettbewerb stellt sich selten ein.

Der Sound ist ebenfalls eher zweckmäßig. Es gibt Motorengeräusche, Reifenquietschen und ein paar Hintergrundmelodien, die sich schnell wiederholen. Nichts, was einen vom Hocker reißt, aber auch nichts, was wirklich stört. Im Grunde ist der Sound eher Beiwerk, der das Spielgeschehen akustisch untermalt.

Was mir persönlich ein bisschen gefehlt hat, ist ein bisschen mehr spielerische Freiheit. Klar, man kann Strecken bauen und Rennen fahren. Aber es gibt kaum Möglichkeiten, das Spielgeschehen zu beeinflussen. Keine Tuning-Optionen, keine verschiedenen Wagenmodelle, keine Story. Das Spiel konzentriert sich voll und ganz auf das reine Rennerlebnis, was auf Dauer etwas eintönig werden kann. Das Spiel ist aber definitiv ein Nischenprodukt, das für Rennspielenthusiasten interessant sein könnte, die Wert auf Individualität und Kreativität legen. Das kann man nicht abstreiten.

Insgesamt ist dieses Spiel ein zwiespältiges Erlebnis. Der Streckeneditor ist genial und macht das Spiel zu etwas Besonderem. Das Gameplay, die Grafik und der Sound sind aber eher Durchschnitt. Es ist definitiv kein Spiel für jedermann, aber für Rennspiel-Fans, die Spaß am Tüfteln und am Erschaffen eigener Strecken haben, könnte es durchaus eine interessante Erfahrung sein. Ich habe mich jedenfalls beim Spielen immer wieder gefragt, ob die Entwickler hier wirklich versucht haben, eine realistische Physiksimulation zu erstellen, oder ob sie einfach nur Spaß haben wollten. Egal, wie die Antwort lautet: Es hat seinen Reiz.

Wer also ein Rennspiel sucht, das mehr bietet als nur stupides Rundendrehen, der sollte diesem Titel definitiv eine Chance geben. Man muss sich auf eine steile Lernkurve einstellen, aber wenn man diese Hürde gemeistert hat, kann man eine Menge Spaß haben. Und wer weiß, vielleicht findet man ja sogar seinen inneren Rennstrecken-Architekten.

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