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isarquad bewertet SOMA

Verfasst am 01.11.2019 um 14:33 Uhr.

Philosophisch düstere Zukunftsaussichten.


Ist SOMA ein Geheimtipp oder ein Superhit? Die Frage kann schlecht beantwortet werden, vereint der Survival-Horror von Frictional Games doch beide Aspekte. Die Story ist meiner Ansicht nach bahnbrechend, allerdings auch enorm abgefahren und für manche Zwischenpassagen braucht der Spieler einen langen Atem. Wer sich allerdings durch das komplette Spiel schlägt, erhält eine Menge Twists und Überraschungen. SOMA bleibt im Gedächtnis. Aber was ist das überhaupt?

Harmloser könnte es nicht beginnen. Wir schlüpfen in die Rolle des Simon Jarrett und leben im Jahr 2015 in einer recht überschaubaren Wohnung einer amerikanischen Großstadt. Weil wir seit einem Autounfall gesundheitlich relativ angeschlagen sind, nehmen wir das Angebot an, für ein neurologisches Experiment einen Scan unseres Gehirns durchführen zu lassen. Wer hätte es gedacht, das Experiment geht schief. Wir erwachen auf dem selben Sessel, wo wir das Experiment begonnen haben, allerdings hat sich die Umgebung entscheidend verändert. Wie sehr das Experiment schief ging, können wir zu dem Zeitpunkt noch nicht erahnen.

Bei Spielbeginn sind wir zwar schon in der Wohnung von Simon herumgelaufen und haben uns zum Labor begeben, der echte Start der Story beginnt jedoch erst, sobald wir aus unserem vermeintlichen Ein-paar-Sekunden-Schlaf erwachen. Dabei spielen wir Simon in der First-Person-Perspektive, wobei man kaum von einem Shooter sprechen kann. Waffen und anderes Zeug gibt es nicht, wir sind nur ein einfacher Zivilist, der "rauskommen" will.

Als wir aus dem gescheiterten Experiment aufwachen, könnte die Welt nicht leerer sein. Die Umgebung wirkt leicht zerstört, alles ist nur spärlich beleuchtet und man hat das Gefühl, dass man "vergessen" wurde. Nachdem man sich durch die ersten Korridore und Kellergänge begeben hat, wird man endlich mal mit anderen Ansprechpartnern konfrontiert. Da wäre zum einen Catherine Chun, die sich als Mitarbeiterin des Labors "Pathos-2" herausstellt und von da an unsere ständige Begleiterin wird. Über das "Omnitool", das gleichzeitig als Multifunktionswerkzeug dient, können wir an bestimmten Orten Kontakt aufnehmen.

Die meiste Zeit bewegen wir uns unter Tage, es stellt sich irgendwann heraus, dass wir uns tief in einer Unterwasserstation im Ozean aufhalten und von dort nur zu anderen Unterwasserstationen gelangen können. Als wir verwirrten Robotern mit menschlicher Stimme und auch feindseligen Monstern begegnen, wird uns langsam klar, dass hier etwas so gar nicht mehr stimmt. Lebenden Menschen begegnen wir überhaupt nicht mehr, auch wenn wir eine Menge Nachrichten (mal wieder) finden. Es stellt sich alsbald raus, dass wir nicht mehr im Jahr 2015 leben, sondern nach unserem Aufwachen im Jahr 2103.

Wie ist sowas möglich? Alles hängt mit Simons Gehirnscan zusammen. Sein Gehirn bzw. dessen Informationen wurde in ein digital betriebenes Exoskelett transferiert, genauso wie es bei vielen anderen mechanischen Zeitgenossen im Spiel der Fall war. Die Menschheit selbst ist ausgelöscht und letzte maschinelle Infrastrukturen sind am Leben. Unser Ziel ist nun, mit Hilfe von Catherine mit der "ARCHE" in eine Art Paradies zu gelangen, das uns mit vielen Hinweisen als letzter Hort der Menschheit erzählt wird.

Das Ganze ist ein fantastisches Konstrukt aus Twists, fatalen Entscheidungen und philosophischen Gedankengängen, die einem manchmal wahrlich den Atem stocken lassen. Dass wir uns fast ausschließlich unter Wasser befinden, trägt viel zur klaustrophobischen und trostlosen Stimmung bei. Grafisch ist das mittlerweile kein Hammer mehr, aber die Stimmung wird durch den gezielten Einsatz von Licht und Schatten sehr gut eingefangen.

Die Rätsel sind relativ einfach, Kämpfe existieren nicht, Gegner müssen ausschließlich umgangen werden. Hier offenbart sich eine der größten Schwächen des Spiels: Je nach Schwierigkeitsgrad beeinflusst ein eine Berührung mit einem Gegner den Spieler mehr oder weniger stark, im leichten Schwierigkeitsgrad sind wir sozusagen unsterblich, im schweren Grad zerstört uns der Gegner auf zwei Begegnungen - es sei denn, wir heilen uns an einer Schnittstelle (eine Art Kabel des Systems).

Wie man es dreht und wendet - mit SOMA spielt man eine Story, die im Gaming-Bereich philosophisch alle Register zieht. Wer ist noch Mensch? Wer ist Maschine? Leben wir überhaupt noch und wenn ja oder nein - lohnt es sich, weiterzumachen? Es gibt viele Laufwege, ein paar Längen und auch Plot-Stopper. Wer sich davon jedoch nicht beeindrucken lässt, erhält eines der stimmigsten Spielerlebnisse seit System Shock 2. Und das lebte ja auch von der Klaustrophobie...

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